was das ist

Nach langen Bemühungen in antifaschistischen, antirassistischen und internationalistischen Zusammenhängen, diese Gesellschaft mit kleinen Schritten zu ändern – aber grundlegend – und der Wahrnehmung dessen, was und wer sich wirklich ändert und in welcher Zeit, schreit die revolutionäre Ungeduld:
Das geht so nicht! Der Quellcode ist kaputt!

Wir arbeiten uns an den Symptomen von Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus und einigen anderen Herrschaftsformen in dieser Gesellschaft ab, aber sie reproduzieren sich immerwieder aufs neue. Junge Menschen beginnen zu revoltieren, zu kämpfen und werden frustriert, verletzt und oft diszipliniert zurück in die Reihen geworfen. Einige bleiben dabei auf der Strecke. Und das innerhalb unserer „geschützten“ Zusammenhänge. Wir machen uns auch selbst gegenseitig kaputt, regelmäßig.

Das geht jetzt Jahrzehnte so, wiederholt sich – „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – und wir ändern uns nicht, wir ändern unsere Politik nicht, stolpern militant in denselben Graben, den bereits Tausende vor uns mit ihren Füßen aufgewühlt haben, getrieben von dem Eindruck, etwas Neues zu wagen.
Viele Experimente wurden so gestartet, häufig aus der Geschichte heraus auch richtig und wichtig. Die meisten sind gescheitert, vereinnahmt oder sogar eingebaut worden ins System.
Und die Menschen? Nur wenige sind noch sichtbar, einige zu Mythen geworden, und wir?

Was haben wir über uns selbst gelernt? Warum so betretenes Schweigen? Was macht uns denn unglaubwürdig? Warum verletzen wir uns selbst?
Und: Was ist so schwierig an der Veränderung der Gesellschaft? Was macht die Matrix so stabil?

Diesen Fragen wollen wir nachgehen und versuchen eine Kultur der Veränderungsprozesse zu schaffen – individuelle aber vor allem auch kollektive.

Dafür versuchen wir Treffpunkte zu schaffen, Workshops zu erarbeiten, Prozesse in Gang zu setzen: Ideen zu sammeln und zu skizzieren, Dinge zu diskutieren, zu entwerfen und nach Lösungen zu suchen – und – das laufend zu veröffentlichen oder wieder in Workshops zu verarbeiten.

Wir wollen den Quellcode der Gesellschaft entschlüsseln, verstehen und verändern.

antifa:debug

„Debugging is the process of finding and resolving defects or problems within the program that prevent correct operation of computer software or a system.“ [EN:Wikipedia]

oder übersetzt auf Deutsch:

„Unter Debugging versteht man das Auffinden und Beheben von Fehlern oder Problemen innerhalb des Programms, die den korrekten Betrieb von Computersoftware oder eines Systems verhindern.“

In Anlehnung an die Welten eher nach technischen Lösungen suchender Menschen reduzieren wir die Gesellschaft hier auf ihre Funktionsweise – also ähnlich eines Computerprogramms. Das ist nicht so, das wissen alle – mehr oder weniger – oder vermuten es, aber uns kommt es auch nur auf die Vorgehensweise an: Suchen in der Tiefe, an den Wurzeln, Finden von “Fehlern” und reversibles Ändern nach dem Prinzip ‘Trial and Error’ – um die Ursprünge gesellschaftlicher Phänomene zu erkunden und zu verändern, der sogenannte „debug-mode“ in der digitalen Welt.

Da Antifa-Politik sich zu einem großen Teil an den Symptomen dieser schief liegenden Märklin-Landschaft abarbeitet, ist das Ziel von antifa:debug diese Ebene zu verlassen. Wir wollen tiefer ansetzen: Gesellschaft ist veränderbar, als Kollektiv vieler autonomer Individuen, in ständigem Aushandeln ihrer Kooperationsbedingungen.

Dabei ist unser Ausgangspunkt das Individuum, die kleinste Einheit des Kollektivs. Denn für das lebendige Kollektiv ist eben doch wieder die individuelle Haltung entscheidend. Eine ‘revolutionäre Persönlichkeit’ ist nicht lächerlich, sondern absolut notwendig. By any means necessary! – Notwendig mit allen Mitteln!

So bekommt unsere Politik eine erhebliche Tiefe – sie kratzt uns den eigenen Arsch auf! – Selbsterkenntnis tut weh und ist nicht ausschließlich rational zu erlangen. Die emotionalen Aspekte hinter den Handlungen der Einzelnen fallen häufig heraus – nicht messbar, wertbar, schwer zu fassen – Denken, Fühlen und Handeln werden nicht mehr als Basis einer menschlichen Einheit wahrgenommen.

Wir vermuten, dass eben diese Abstraktion, die Abspaltung der Gefühle vom Denken und Handeln, dazu führt, dass wir vermeintlich keine Antworten auf Fragen und Probleme unserer Zeit finden oder haben. Wir glauben oder behaupten, dass wir sie nicht sehen – wollen oder auch können.
Aber trotz “Blindheit” können wir weitergehen, wir tun es ja auch, nur leider auf den Schienen des Systems, statt uns selbst zu vertrauen und einfach nach Intuition zu laufen.

Die Zapatistas sagen: “Fragend schreiten wir voran”.

Das heißt ersteinmal: “Wir gehen weiter!” Das Wichtigste.
Und dabei fragen wir, wir tasten, wir “ziehen uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf”. Das ist alles, was uns als Werkzeug zur Zeit zur Verfügung steht. Offen für das, was passiert.

Also: debug-mode: “ON”